Gesundheit und Wellness

Wie lange kann man Wermut sicher einnehmen?

Karolina Schulz

Karolina Schulz

Wie lange kann man Wermut sicher einnehmen?

Wermut ist keine gewöhnliche Pflanze. Seit Jahrhunderten wird sie in der Volksmedizin eingesetzt - als Bittermittel, zur Verdauungsförderung und sogar als Teil von Absinth. Aber wie lange kannst du sie wirklich einnehmen, ohne dein Körper zu schaden? Die Antwort ist nicht einfach: Es hängt von deiner Gesundheit, deiner Dosierung und deinem Zweck ab. Und nein, du kannst nicht einfach eine Packung Wermuttee für Monate trinken und erwarten, dass alles gutgeht.

Was ist Wermut eigentlich?

Wermut ist eine bitter schmeckende Pflanze mit dem wissenschaftlichen Namen Artemisia absinthium, die zur Familie der Korbblütler gehört. Sie wächst wild in Europa, Nordafrika und Westasien und ist bekannt für ihren starken, herb-bitteren Geschmack. In der traditionellen Medizin wurde sie verwendet, um Magenbeschwerden, Appetitlosigkeit und Parasiten zu bekämpfen. Der bittere Bestandteil Thujon ist verantwortlich für viele ihrer Wirkungen - und auch für ihre Risiken.

Wermut ist auch der Schlüsselzutat in Absinth ist ein hochprozentiger, grüner Likör, der aus Wermut, Anis und Fenchel destilliert wird und in der Vergangenheit als halluzinogen beschrieben wurde. Aber moderne Absinthe enthalten nur noch sehr geringe Mengen Thujon - genug für Geschmack, nicht für Wirkung. Die Gefahr liegt nicht im Getränk, sondern in der konzentrierten Pflanze selbst.

Wie wirkt Wermut im Körper?

Wermut wirkt vor allem als Bitterstoff. Wenn du einen Wermuttee trinkst, aktivieren die Bitterstoffe die Speicheldrüsen und den Magen, was die Verdauung anregt. Das ist der Grund, warum viele Menschen ihn nach dem Essen trinken - besonders bei schweren Mahlzeiten.

Einige Studien zeigen, dass Wermut auch antiparasitäre Eigenschaften hat. In der traditionellen chinesischen Medizin wird eine verwandte Art, Artemisia annua, zur Behandlung von Malaria verwendet - aber das ist nicht das Gleiche wie Artemisia absinthium. Wermut hat keine bewiesene Wirkung gegen Malaria, und du solltest es nicht als Ersatz für Medikamente nehmen.

Das Problem ist Thujon. Dieses ätherische Öl wirkt auf das Zentralnervensystem. In hohen Dosen kann es Krämpfe, Halluzinationen oder sogar epileptische Anfälle auslösen. Die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) hat festgelegt, dass eine tägliche Aufnahme von mehr als 3 mg Thujon gesundheitlich riskant ist. Ein Teelöffel getrockneter Wermutblätter kann bis zu 1,5 mg Thujon enthalten. Das heißt: Du kommst schnell an die Grenze.

Wie lange ist die sichere Einnahmedauer?

Die meisten Experten empfehlen, Wermut nicht länger als zwei bis vier Wochen hintereinander einzunehmen. Danach solltest du mindestens zwei bis drei Wochen Pause machen, bevor du erneut beginnst. Das gilt für Tee, Tinkturen oder Kapseln - egal in welcher Form.

Warum diese Pause? Dein Körper braucht Zeit, um Thujon abzubauen. Wenn du es kontinuierlich zu dir nimmst, sammelt es sich an - besonders in der Leber. Das erhöht das Risiko für Leberschäden, Nervenreizungen und Magen-Darm-Beschwerden. Einige Menschen berichten von Kopfschmerzen, Schwindel oder Unruhe, wenn sie länger als vier Wochen Wermut trinken.

Wenn du Wermut zur Verdauungsförderung nimmst, reicht oft eine Kur von sieben Tagen. Trinke einen Tee morgens oder nach dem Essen - nicht mehr als zweimal täglich. Ein Teelöffel getrocknetes Kraut auf eine Tasse heißes Wasser, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen. Fertig. Mehr ist nicht nötig.

Wer sollte Wermut meiden?

Nicht jeder kann Wermut vertragen. Hier ist, wer aufpassen muss:

  • Schwangere und stillende Frauen: Thujon kann die Uteruskontraktionen anregen und ist potenziell abortiv. Auch über die Muttermilch kann es das Baby beeinflussen.
  • Menschen mit Epilepsie oder Krampfleiden: Thujon kann die Anfallschwelle senken.
  • Personen mit Lebererkrankungen: Die Leber ist verantwortlich für den Abbau von Thujon. Bei bereits geschädigter Leber kann es zu einer Überlastung kommen.
  • Kinder und Jugendliche: Ihr Nervensystem ist noch empfindlicher. Wermut ist für sie nicht geeignet.
  • Menschen, die Beruhigungsmittel, Schlafmittel oder Alkohol einnehmen: Wermut kann die Wirkung verstärken - mit gefährlichen Folgen.
Transparenzdarstellung einer Leber mit Nervenreaktionen und Wermutblättern in schematischer Form.

Wermut vs. Absinth: Was ist der Unterschied?

Ein häufiger Irrtum: Wer Absinth trinkt, nimmt automatisch Wermut ein. Das stimmt - aber nur in winzigen Mengen. Moderne Absinthe enthalten maximal 10 mg Thujon pro Liter - oft viel weniger. Das heißt: Um 3 mg Thujon zu sich zu nehmen, müsstest du mehr als einen halben Liter Absinth trinken. Das ist nicht nur teuer, sondern auch extrem gefährlich wegen des Alkohols.

Der Unterschied ist also klar: Absinth ist ein alkoholisches Getränk mit geringer Wermutkonzentration. Wermut als Heilmittel ist eine konzentrierte Pflanze, die direkt eingenommen wird. Wer Wermut für die Gesundheit nutzen will, sollte auf Tee oder Tinktur setzen - nicht auf den Likör.

Wie erkenne ich gute Qualität?

Nicht jeder Wermut ist gleich. Viele Produkte aus dem Supermarkt oder dem Internet sind minderwertig, mit Schimmelpilzen oder Pestiziden belastet. Hier sind drei Kriterien, die du beachten solltest:

  1. Organisch zertifiziert: Suche nach Anbau ohne Chemikalien. Wermut nimmt Schadstoffe aus dem Boden auf.
  2. Volle Blätter, nicht Pulver: Pulver verliert schnell seine Wirkstoffe. Ganze Blätter halten länger frisch.
  3. Hersteller mit Transparenz: Gute Anbieter geben die Thujon-Konzentration an oder lassen das Produkt labortechnisch prüfen.

Ein seriöser Hersteller aus der Schweiz oder Deutschland, der seine Produkte in dunklen Glasflaschen abfüllt und das Herstellungsdatum angibt, ist ein gutes Zeichen.

Was passiert, wenn du zu lange nimmst?

Wenn du Wermut über mehrere Monate regelmäßig trinkst, kann es zu folgenden Problemen kommen:

  • Chronische Verdauungsprobleme - nicht besser, sondern schlechter
  • Überreiztes Nervensystem: Schlafstörungen, Angstzustände, Zittern
  • Leberbelastung: erhöhte Leberwerte im Bluttest
  • Neurologische Symptome: Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme

Ein Fallbericht aus dem Jahr 2023 beschreibt eine Frau aus Baden-Württemberg, die über acht Monate täglich Wermuttee getrunken hatte. Sie entwickelte starke Kopfschmerzen, Schlafstörungen und eine erhöhte Leberenzymkonzentration. Nach der Absetzung besserten sich die Symptome innerhalb von sechs Wochen. Das ist kein Einzelfall - aber er wird selten dokumentiert, weil viele Menschen nicht mit ihrem Arzt darüber sprechen.

Drei Flaschen mit unterschiedlichen Einnahmedauern und eine zerbrochene Sanduhr als Warnsymbol.

Wie kannst du Wermut sicher nutzen?

Wenn du Wermut ausprobieren willst, folge diesen einfachen Regeln:

  1. Beginne mit einer niedrigen Dosis: Einmal täglich, ein Teelöffel Blätter pro Tasse.
  2. Höchstens vier Wochen am Stück: Danach Pause von mindestens 14 Tagen.
  3. Keine Kombination mit Alkohol, Beruhigungsmitteln oder Schlafmitteln.
  4. Beobachte deinen Körper: Kopfschmerzen? Unruhe? Magenkrämpfe? Dann höre auf.
  5. Spreche mit deinem Arzt, wenn du Medikamente nimmst oder chronische Erkrankungen hast.

Wermut ist kein Wundermittel. Es ist ein starkes, aber begrenzt einsetzbares Naturheilmittel. Wer es wie eine Gewohnheit trinkt - wie Kaffee oder Tee - läuft Gefahr, sich zu schaden.

Frequently Asked Questions

Kann man Wermut als Dauerlösung bei Verdauungsproblemen nehmen?

Nein. Wermut ist ein Kurmittel, kein Dauerlösung. Es regt die Verdauung an, aber wenn du es zu lange nimmst, kann dein Körper sich daran gewöhnen und die Wirkung nachlässt. Langfristig kann es sogar die Verdauung schwächen. Besser ist es, die Ursache der Verdauungsprobleme zu finden - etwa durch Ernährungsumstellung oder einen Arztbesuch.

Ist Wermuttee sicher für Kinder?

Nein. Kinder haben ein empfindlicheres Nervensystem und eine geringere Fähigkeit, Thujon abzubauen. Selbst kleine Mengen können bei Kindern zu Unruhe, Krämpfen oder Schlafstörungen führen. Wermut ist für Kinder nicht geeignet - egal in welcher Form.

Wie lange hält getrockneter Wermut?

Getrockneter Wermut hält sich bis zu zwei Jahre, wenn er dunkel, kühl und trocken aufbewahrt wird. Aber nach einem Jahr verliert er deutlich an Wirkstoffen. Für maximale Wirksamkeit solltest du ihn innerhalb von sechs bis zwölf Monaten verwenden. Frische Blätter sind immer besser als alte, staubige Packungen.

Kann man Wermut mit anderen Kräutern kombinieren?

Ja, aber mit Vorsicht. Wermut wird oft mit Fenchel, Anis oder Kümmel kombiniert, um den Geschmack zu mildern und die Verdauung zu unterstützen. Aber du solltest nicht mehr als zwei weitere Kräuter gleichzeitig verwenden. Zu viele Bitterstoffe können den Magen reizen. Vermeide Kombinationen mit starken Beruhigungsmitteln wie Baldrian oder Melisse - sie können die Wirkung von Thujon verstärken.

Gibt es einen sicheren Ersatz für Wermut?

Ja. Wenn du die Verdauungsförderung suchst, sind Fenchel, Kümmel oder Ingwer sicherere und besser erforschte Alternativen. Für Appetitanregung eignet sich Bitterorange oder Zitronengras. Sie haben weniger Nebenwirkungen und können länger eingenommen werden. Wermut ist kein Muss - es ist eine Option, die du mit Respekt behandeln solltest.

Was kommt als Nächstes?

Wenn du Wermut ausprobiert hast und dich für weitere natürliche Bittermittel interessierst, lohnt sich ein Blick auf Chicorée, Löwenzahn oder Enzian. Sie wirken ähnlich, aber mit weniger Risiko. Oder du erkundest, wie sich die traditionelle europäische Kräutermedizin mit moderner Ernährung verbinden lässt - zum Beispiel durch Bitterkuren im Frühjahr. Aber immer mit Maß. Die Natur ist kein Supermarkt. Was stark wirkt, kann auch stark schaden.