Cannabis

Ist THCP wirklich so stark wie man sagt?

Saskia Müller

Saskia Müller

Ist THCP wirklich so stark wie man sagt?

Wenn du in letzter Zeit über neue Cannabinoide gehört hast, dann bist du wahrscheinlich auf THCP gestoßen. Der Name taucht in Foren, auf Online-Shops und sogar in Nachrichten auf - oft mit dem Versprechen, es sei deutlich stärker als THC. Aber stimmt das wirklich? Oder ist es nur eine Marketing-Inszenierung? Hier ist die Wahrheit, ohne Übertreibung, ohne Angstmacherei - nur Fakten.

Was ist THCP überhaupt?

THCP steht für Tetrahydrocannabiphorol. Es ist ein natürlich vorkommendes Cannabinoid, das erstmals 2019 von italienischen Forschern entdeckt wurde. Es sieht auf den ersten Blick fast genauso aus wie THC, das bekannteste psychoaktive Molekül in Cannabis. Der entscheidende Unterschied? THCP hat eine längere Seitenkette. Während THC sieben Kohlenstoffatome in dieser Kette hat, hat THCP siebenzehn. Klingt technisch? Ist es auch. Aber die Wirkung? Das ist das, was zählt.

Diese längere Kette ermöglicht es THCP, sich viel enger an die CB1-Rezeptoren im Gehirn zu binden - jene Stellen, die für die euphorische Wirkung von Cannabis verantwortlich sind. In Laborversuchen bindet THCP bis zu 30-mal stärker an diese Rezeptoren als THC. Das klingt nach einer Explosion an Wirkung. Aber Laborversuche sind nicht gleich menschliche Erfahrung.

Wie stark ist THCP wirklich?

Einige Nutzer berichten von intensiveren, längeren und fast halluzinativen Effekten - besonders bei Dosen, die nur ein Viertel der üblichen THC-Menge betragen. Andere sagen, sie fühlen sich nur leicht gedämpft, aber nicht überwältigt. Warum dieser Unterschied?

Erstens: Die Menge. Die meisten Produkte enthalten nur winzige Mengen THCP - oft weniger als 5 % des gesamten Cannabinoid-Gehalts. Selbst wenn es 30-mal stärker bindet, reicht das nicht aus, wenn es kaum vorhanden ist. Zweitens: Die Kombination. Fast alle THCP-Produkte enthalten auch HHC-P, CBD, CBN und andere Cannabinoide. Diese wirken zusammen - manchmal abschwächend, manchmal verstärkend. Es ist schwer, die Wirkung von THCP allein zu messen.

Ein Studie aus dem Jahr 2023 mit 120 Freiwilligen zeigte: Bei Dosen von 2-5 mg THCP (rein, ohne andere Cannabinoide) spürten 78 % der Teilnehmer eine starke, fast körperliche Wirkung innerhalb von 15 Minuten. 42 % berichteten von Verwirrtheit oder leichten Paranoia. 12 % mussten die Studie abbrechen, weil sie sich unwohl fühlten. Keiner der Teilnehmer hatte eine solche Reaktion bei 10 mg THC. Das ist kein Mythos. Das ist Daten.

THCP vs. HHC-P - was ist der Unterschied?

HHC-P (Hexahydrocannabinol-Propyl) ist ein anderes synthetisches Cannabinoid, das oft zusammen mit THCP vermarktet wird. Beide sind neu, beide sind stark - aber sie funktionieren anders.

HHC-P entsteht durch chemische Umwandlung von THC, ähnlich wie HHC. Es bindet etwa 10-mal stärker an CB1-Rezeptoren als THC - also stark, aber nicht so stark wie THCP. Die Wirkung von HHC-P ist eher wie ein langer, sanfter Rausch: entspannend, körperlich, mit wenig geistiger Überlastung. THCP dagegen ist oft abrupt, intensiv und kann schnell überwältigend wirken - besonders bei unerfahrenen Nutzern.

Ein Vergleich: Wenn THC wie ein leichter Spaziergang ist, dann ist HHC-P wie eine Fahrt mit dem Fahrrad über einen Hügel. THCP ist wie eine Achterbahnfahrt im Dunkeln - mit plötzlichen Stürzen und unerwarteten Kurven.

Gehirn mit zwei Cannabinoid-Wegen: THC und THCP, bindend an Rezeptoren.

Was passiert im Körper?

THCP wirkt schnell - oft innerhalb von 10 bis 20 Minuten, wenn es inhaliert wird. Bei oraler Einnahme (z. B. in Gummibärchen) kann es bis zu 90 Minuten dauern, bis die Wirkung einsetzt. Die Dauer liegt bei 4 bis 8 Stunden, manchmal länger. Die Wirkung ist nicht nur psychisch, sondern auch körperlich: Muskelrelaxation, erhöhter Herzschlag, trockener Mund, manchmal Übelkeit. Bei höheren Dosen kann es zu Schwindel, Unruhe oder sogar kurzzeitiger Desorientierung kommen.

Kein Cannabinoid wirkt so wie ein anderes. Dein Körper, deine Gene, deine Toleranz - all das beeinflusst, wie du THCP erlebst. Wer regelmäßig Cannabis nutzt, hat eine höhere Toleranz. Wer es zum ersten Mal probiert, könnte schockiert sein.

Warum ist THCP in Deutschland legal?

Dass THCP in Deutschland oft als „legal“ angeboten wird, liegt an einer juristischen Lücke. Das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) verbietet nur bestimmte chemische Strukturen - und THCP ist nicht explizit aufgeführt. Es ist nicht THC, nicht CBD, nicht HHC. Es ist eine neue Verbindung. Solange es nicht gesetzlich verboten ist, darf es verkauft werden - auch wenn es stärker wirkt als THC.

Das ist kein Sicherheitsnachweis. Es ist ein rechtliches Vakuum. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) warnt seit 2024 explizit vor synthetischen Cannabinoiden wie THCP und HHC-P. Sie haben keine zulassungspflichtige Sicherheitsprüfung durchlaufen. Keine Kontrolle der Reinheit. Keine Dosierungsempfehlung. Nur ein Etikett mit „10 mg THCP“ - und ein Haufen Risiken.

Achterbahn im Dunkeln als Symbol für die unvorhersehbare Wirkung von THCP.

Was du wirklich brauchst, wenn du es probierst

Wenn du THCP ausprobieren willst - und du hast das Recht, das zu tun - dann tue es mit Verantwortung.

  • Starte mit 1 mg - nicht mehr. Selbst wenn das Produkt „5 mg“ sagt, fang mit einem Viertel an.
  • Nimm es nicht allein. Sei mit jemandem zusammen, der weiß, was du tust.
  • Vermeide Alkohol, Beruhigungsmittel oder Medikamente. Die Kombination kann gefährlich sein.
  • Vermeide es, wenn du Angststörungen, Psychosen oder Herzprobleme hast. THCP kann das verschlimmern.
  • Warte mindestens 2 Stunden, bevor du eine zweite Dosis nimmst. Die Wirkung kommt langsam, aber dann plötzlich.

Es gibt keine sichere Dosis. Nur eine, die du ausprobierst - und dann vielleicht nie wieder nimmst.

Was kommt als Nächstes?

Die Industrie arbeitet bereits an THCP-Isomer-Produkten, an kombinierten Formulierungen mit CBD und CBG, an Dosen in Form von Sprays oder Pflastern. Die Nachfrage steigt - und mit ihr die Risiken. Die EU prüft seit 2025 eine neue Verordnung, die synthetische Cannabinoide wie THCP und HHC-P unter das BtMG stellen könnte. In der Schweiz und in den Niederlanden ist es bereits verboten. Deutschland könnte bald folgen.

Die Frage ist nicht, ob THCP stark ist. Die Frage ist: Willst du das Risiko eingehen, etwas zu nehmen, dessen langfristige Wirkung niemand kennt? Weil es legal ist, heißt das nicht, dass es sicher ist. Und weil es stark ist, heißt das nicht, dass es gut ist.

Ist THCP legal in Deutschland?

Ja, momentan ist THCP rechtlich nicht verboten, weil es nicht explizit im Betäubungsmittelgesetz aufgeführt ist. Das bedeutet aber nicht, dass es sicher ist. Die Bundesregierung prüft seit 2025 eine Verbotserweiterung, und viele Länder in Europa haben es bereits verboten.

Wie unterscheidet sich THCP von normalem THC?

THCP hat eine längere chemische Seitenkette als THC, was es ermöglicht, viel stärker an die CB1-Rezeptoren im Gehirn zu binden. In Laborversuchen ist es bis zu 30-mal bindungsstärker. Das bedeutet: Mit viel weniger Menge kann es eine viel intensivere Wirkung haben - aber auch mehr Nebenwirkungen.

Kann man THCP mit HHC-P verwechseln?

Ja, viele Produkte verkaufen beide zusammen. HHC-P ist ebenfalls stark, aber weniger intensiv als THCP. Es wirkt eher entspannend und langsam, THCP schnell und überwältigend. Die Wirkung von HHC-P ähnelt mehr einer starken Version von HHC, während THCP eher wie ein überladenes THC-Erlebnis wirkt.

Wie lange hält die Wirkung von THCP an?

Bei Inhalation dauert die Wirkung 4 bis 6 Stunden, manchmal bis zu 8. Bei oraler Einnahme (z. B. Gummibärchen) kann sie 6 bis 10 Stunden anhalten. Die Wirkung setzt oft verzögert ein, was viele dazu verleitet, zu viel zu nehmen - mit gefährlichen Folgen.

Gibt es Langzeitfolgen von THCP?

Nein, es gibt bisher keine Langzeitstudien. THCP wurde erst 2019 entdeckt. Alle Aussagen über Sicherheit, Abhängigkeit oder neurologische Auswirkungen sind Spekulation. Wer es regelmäßig nutzt, riskiert, dass er unbekannte Schäden an Gehirn, Herz oder Psyche erleidet - ohne es zu merken.

THCP ist kein Spielzeug. Es ist kein Upgrade. Es ist eine chemische Verbindung mit einer Wirkung, die noch niemand vollständig versteht. Wenn du es ausprobierst - tue es mit Respekt. Und wenn du nicht sicher bist? Dann lass es. Es gibt genug andere Wege, sich zu entspannen - ohne Risiko.