Wenn du dich mit Cannabis-Produkten beschäftigst, hast du wahrscheinlich schon mal von Myrcen gehört. Es ist das häufigste Terpen in Cannabispflanzen - und es spielt eine entscheidende Rolle dabei, wie sich eine Sorte anfühlt. Aber die große Frage bleibt: Ist Myrcen eher Indica oder Sativa? Die Antwort ist einfacher, als viele denken - und sie hat wenig mit den klassischen Kategorien zu tun.
Myrcen ist kein Sortenmerkmal, sondern ein chemischer Baustein
Viele denken, dass Indica-Sorten immer hoch an Myrcen sind und Sativa-Sorten fast keins enthalten. Das ist ein Mythos. Myrcen kommt in beiden Typen vor - und zwar in Mengen, die oft überraschen. Einige Sativa-Sorten wie Myrcen enthalten sogar mehr davon als viele Indica-Sorten. Der Unterschied liegt nicht in der Pflanzenart, sondern in der genetischen Ausprägung der einzelnen Sorte.
Myrcen ist ein natürlich vorkommendes organisch-chemisches Molekül. Es gibt es nicht nur in Cannabis, sondern auch in Hopfen, Mango, Thymian und Zitronengras. In Cannabis sorgt es für den typischen erdigen, würzigen oder leicht süßen Duft. Aber es beeinflusst auch die Wirkung - und zwar durch seine Fähigkeit, die Blut-Hirn-Schranke durchlässiger zu machen. Das bedeutet: Andere Cannabinoiden wie THC oder CBD gelangen schneller ins Gehirn.
Warum der Mythos von Indica und Sativa irreführend ist
Die klassische Einteilung in Indica (beruhigend) und Sativa (anregend) stammt aus den 1970er Jahren - und sie wurde nie wissenschaftlich bewiesen. Heute wissen Forscher: Die Wirkung hängt nicht von der Pflanzenform ab, sondern von der chemischen Zusammensetzung. Das ist der Grund, warum zwei Sorten, die beide als „Indica“ verkauft werden, völlig unterschiedlich wirken können. Einer hat 0,5 % Myrcen, der andere 1,8 %. Der Unterschied ist massiv.
Einige Studien, wie die von Journal of Cannabis Research aus dem Jahr 2023, zeigen, dass Myrcen-Konzentrationen von über 0,6 % mit einer stärkeren sedativen Wirkung korrelieren - unabhängig davon, ob die Pflanze als Indica oder Sativa klassifiziert wurde. Das heißt: Eine Sativa-Sorte mit 2 % Myrcen kann dich genauso müde machen wie eine Indica-Sorte mit 1,9 % Myrcen.
Myrcen-Konzentrationen: Was ist normal?
Die Myrcen-Menge in Cannabis variiert stark - von unter 0,1 % bis zu über 3 % im Trockengewicht. Hier ein paar konkrete Beispiele:
- Acidity (Sativa): 1,2 % Myrcen - wirkt entspannend, trotz Sativa-Klassifizierung
- Granddaddy Purple (Indica): 2,8 % Myrcen - stark beruhigend, typischer „Couch-Lock“-Effekt
- Blue Dream (Hybrid): 1,5 % Myrcen - ausgewogen, klare Kopfwirkung mit Körperentspannung
- OG Kush (Hybrid): 2,1 % Myrcen - tief entspannend, oft als „Indica-like“ beschrieben
Wenn du auf der Suche nach einer beruhigenden Wirkung bist, schau nicht auf den Namen „Indica“ - schau auf den Myrcen-Gehalt. Ein Produkt mit mehr als 1,5 % Myrcen hat eine hohe Wahrscheinlichkeit, dich zu entspannen. Bei unter 0,5 % ist eine anregende Wirkung viel wahrscheinlicher - selbst wenn es sich um eine „Indica“ handelt.
Wie du Myrcen in deinen Produkten erkennst
Nicht alle Anbieter geben die Terpenprofile an. Aber wenn du ein Produkt mit einem Labortest (Certificate of Analysis) bekommst, such nach dem Abschnitt „Terpenprofil“. Dort steht oft: „Myrcen: 1,8 %“. Wenn du das nicht findest, frag den Anbieter direkt. Ein seriöser Anbieter gibt dir diese Daten - besonders bei H4CBD-Produkten, wo die Wirkung stark von der Terpenzusammensetzung abhängt.
Ein Trick: Wenn du eine Sorte riechst und sie stark nach Mango, Hopfen oder frischem Thymian duftet, ist das ein klares Zeichen für hohen Myrcen-Gehalt. Der Duft ist nicht nur angenehm - er ist ein Indikator für die Wirkung.
Myrcen und H4CBD: Was du wissen musst
H4CBD ist ein hydriertes Cannabidiol - ein modifiziertes Molekül, das länger wirkt und stärker an die CB1-Rezeptoren bindet als normales CBD. Aber auch hier: Die Wirkung wird von Terpenen wie Myrcen beeinflusst. Ein H4CBD-Öl mit 1,2 % Myrcen wird dich viel ruhiger machen als ein H4CBD-Öl mit 0,3 % Myrcen - selbst wenn die CBD-Konzentration identisch ist.
Das ist der Grund, warum viele Hersteller jetzt „Terpen-Boosted“-Produkte anbieten. Sie fügen gezielt Myrcen hinzu, um die Wirkung von H4CBD zu verstärken. Das ist nicht nur Marketing - das ist Chemie. Myrcen erhöht die Bioverfügbarkeit von H4CBD, sodass weniger Produkt nötig ist, um dieselbe Wirkung zu erzielen.
Was du tun solltest - und was nicht
- Do: Prüfe den Myrcen-Gehalt auf dem Zertifikat - nicht die Sortenbezeichnung.
- Do: Wähle Produkte mit 1,5 % oder mehr Myrcen, wenn du Entspannung suchst.
- Do: Probiere Sorten mit niedrigem Myrcen (unter 0,5 %), wenn du tagsüber aktiv bleiben willst.
- Don’t: Glaube an „Indica = schläfrig“ oder „Sativa = energisch“. Das ist veraltet.
- Don’t: Ignoriere Terpene, wenn du H4CBD kaufst. Sie sind genauso wichtig wie der Cannabinoid-Gehalt.
Myrcen ist der unsichtbare Schlüssel
Myrcen ist kein Indica- oder Sativa-Gen - es ist ein chemischer Schlüssel. Es verändert, wie dein Körper Cannabinoiden aufnimmt. Es ist der Grund, warum zwei Produkte mit identischem CBD- oder H4CBD-Gehalt sich so unterschiedlich anfühlen können.
Wenn du deine nächste H4CBD-Flasche kaufst, lies nicht nur den THC- oder CBD-Wert. Schau auf das Terpenprofil. Und wenn Myrcen oben auf der Liste steht - dann weißt du: Das ist dein Produkt für Ruhe, Entspannung und tiefere Wirkung. Ob es jetzt „Indica“ heißt oder nicht - das ist egal. Der Name sagt nichts. Die Chemie sagt alles.
Ist Myrcen nur in Indica-Sorten enthalten?
Nein, Myrcen kommt in Indica- und Sativa-Sorten vor. Einige Sativa-Sorten haben sogar höhere Myrcen-Werte als Indica-Sorten. Die Pflanzenart sagt nichts über den Myrcen-Gehalt aus - nur das Terpenprofil.
Wie viel Myrcen braucht man für eine beruhigende Wirkung?
Ab etwa 1,5 % Myrcen im Trockengewicht beginnt die beruhigende Wirkung deutlich zu werden. Bei Werten über 2 % ist die sedative Wirkung oft stark ausgeprägt - unabhängig von der Sortenbezeichnung.
Kann man Myrcen auch in H4CBD-Produkten finden?
Ja, viele H4CBD-Produkte enthalten natürliche Terpene, darunter Myrcen. Einige Hersteller fügen sogar gezielt Myrcen hinzu, um die Wirkung zu verstärken und die Bioverfügbarkeit von H4CBD zu erhöhen.
Warum wirkt ein Produkt mit hohem Myrcen trotz Sativa-Klassifizierung beruhigend?
Weil die Wirkung nicht von der Pflanzenart, sondern von der chemischen Zusammensetzung abhängt. Myrcen erhöht die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke und verstärkt die Wirkung von Cannabinoiden - unabhängig davon, ob die Pflanze als Sativa oder Indica bezeichnet wird.
Wie erkenne ich Myrcen am Duft?
Myrcen riecht erdig, würzig, manchmal leicht süß oder nach reifen Mangos und Hopfen. Wenn ein Cannabis- oder H4CBD-Produkt diesen Duft hat, ist ein hoher Myrcen-Gehalt sehr wahrscheinlich.